Bochum ist die Wissenschaftshochburg im Ruhrgebiet - sieben Hochschulen, rund 56.000 Studierende und annähernd 10.000 Beschäftigte stehen für eine einzigartige akademische Vielfalt.

UniverCity Bochum ist der Zusammenschluss der Stadt Bochum, der Bochum Marketing GmbH, der IHK Mittleres Ruhrgebiet, des Akademischen Förderungswerkes, des Deutschen Bergbau-Museums sowie von sieben Bochumer Hochschulen.

Das gemeinsame Ziel der Partner ist die weitere Stärkung Bochums als Stadt der Wissenschaft und Bildung und eine stärkere Identifikation der Bochumer Bürgerinnen und Bürger mit den wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt.

Mit UniverCity Bochum haben Stadt, Hochschulen und weitere Partner hierfür ein Format der Zusammenarbeit geschaffen.

November 2016: Prof. Dr. Boris Suchan

Prof. Dr. Boris Suchan, Ruhr-Universität Bochum, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Abt. Neuropsychologie, AG Klinische Neuropsychologie
Prof. Dr. Boris Suchan, Ruhr-Universität Bochum, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Abt. Neuropsychologie, AG Klinische Neuropsychologie

Boris Suchan studierte zunächst Psychologie in Düsseldorf. Im Anschluss arbeitete er dort an einer neurologischen Tagesklinik, wo er auch promovierte. Parallel beendete Suchan seine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten. Im Jahr 2000 wechselte er an die Ruhr-Universität Bochum. Dort erhielt er die Zertifizierung zum Klinischen Neuropsychologen. Seit 2014 leitet er die Arbeitsgruppe Klinische Neuropsychologie und das Neuropsychologische Therapie Centrum, zurzeit die einzige an einer Hochschule angesiedelte Lehr- und Forschungsambulanz für Neuropsychologie in Deutschland.

In welchem Bereich forschen und lehren Sie?
Ich beschäftige mich sowohl mit grundlagen-orientierten als auch mit klinisch-anwendungsorientierten Fragestellungen im Rahmen meiner Forschung und Lehre. Und ich versuche, den Studierenden die Begeisterung für eben diese Kombination zu vermitteln. Ich interessiere mich beispielsweise dafür, wie das menschliche Gehirn neue Informationen in das Gedächtnis einspeichert und auch wieder abruft. Im klinischen Bereich nutzen wir Methoden der funktionellen Bildgebung, um die zugrundeliegenden Prozesse von z.B. der Anorexia Nervosa und auch der sogenannten Gesichtsblindheit darzustellen. Wir sind auch in der glücklichen Lage, im Rahmen unserer neuropsychologischen Forschungs- und Lehrambulanz neue Therapieansätze im Bereich der Klinischen Neuropsychologie zu entwickeln und erproben zu können. Vor drei Jahren habe ich außerdem ein Projekt ins Leben gerufen, im Rahmen dessen wir einen Online-Ratgeber  für Betroffene und Angehörige entwickeln, die sich über die Folgen von Hirnschädigungen informieren möchten. Der Ratgeber beinhaltet auch Audio- und Videopodcasts und wird demnächst durch einen Ratgeber für Kinder ergänzt, in dem die Neuropsychologie u.a. mithilfe von unterhaltsamen Kurzfilmen erklärt wird.

Was lernen die Studierenden bei Ihnen?
Meine Lehre spiegelt sowohl meine Begeisterung für Methoden als auch für klinische Fragestellungen wider: Die wichtigsten Methoden der Neuropsychologie, wie Elektroenzephalographie (EEG) und die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), lernen die Studierenden bei uns möglichst praxisnah kennen. Wir sind in der glücklichen Lage, Zugang zu einem Forschungsscanner zu haben als auch ein hauseigenes EEG Labor zu besitzen. Die Studierenden sollen die Möglichkeiten aber auch die Grenzen dieser Methoden kennenlernen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Studierenden in hohem Maße dafür zu begeistern sind, klinisch relevante Fragestellungen eigenständig zu entwickeln. Im Rahmen unseres Ratgeberprojektes z.B. haben Studierende selbst die entsprechenden Texte und Podcasts über die Folgen von Hirnschädigungen verfasst und evaluiert. Eine Studentin hat sogar ein Kinderbuch zum Thema Schlaganfall verfasst. Es ist einfach toll zu sehen, wie sehr die jungen Menschen für ihre Ideen brennen, wenn sie den Eindruck haben, damit etwas zu bewegen.

Was wünschen Sie sich für die Hochschulstadt Bochum?
Ich habe in Düsseldorf studiert und auch promoviert und stand tatsächlich der Ruhr-Universität Bochum am Anfang etwas reserviert gegenüber. Schnell habe ich aber festgestellt, welche exzellenten Möglichkeiten diese Universität bietet: eine gute Vernetzung, exzellente wissenschaftliche Möglichkeiten und sehr gute interdisziplinäre Zusammenarbeit. Ich wünsche mir, dass sich diese Möglichkeiten weiter entwickeln und Bochum, aber auch das Ruhrgebiet insgesamt, das Image bekommen, das sie verdienen. Außerdem ist es mir als Leiter des Neuropsychologischen Therapie Centrums (NTC) ein großes Anliegen, die regionale Unterversorgung von hirngeschädigten Patienten mit neuropsychologischen Therapeuten zu verbessern und zu einer besseren Vernetzung der beteiligten Behandler beizutragen. Leider ist die Hochschulmedizin teilweise noch stark unterfinanziert. Für die Hochschulstadt Bochum wünsche ich mir in dem Zusammenhang, dass von universitären Zentren ausgehende Innovationen im Bereich Gesundheit zunehmend schneller und selbstverständlicher Eingang in die klinische Praxis finden.

Social Media

UniverCity Bochum bei Instagram

---
Kalender