30. Januar 2017

30. Januar 2017 | Terminankündigung Artist Diploma Schauspiel am Campus Bochum - Abschlusspräsentation Schauspiel

Vom 8. bis 11. Februar 2017 präsentieren AbsolventInnen des Studiengangs Schauspiel im Folkwang Theaterzentrum am Campus Bochum ihre Eigenarbeiten.

Foto: Folkwang Universität der Künste
Probenfoto zum Stück "Unendlich Luft". Foto: Folkwang Universität der Künste

Am 08., 09., 10. und 11. Februar 2017 präsentieren die diesjährigen AbsolventInnen des Studiengangs Schauspiel im Folkwang Theaterzentrum am Campus Bochum ihre Eigenarbeiten. Bei Theaterinteressierten gilt diese Veranstaltungsreihe, die in der Black Box stattfindet, längst als Geheimtipp. In diesem Jahr erwartet das Publikum besonders „aufregendes Theater in aufgeregter Zeit: Die sieben aktuellen Projekte spiegeln deutlich die sozialen Turbulenzen und ideologischen Verunsicherungen wider, denen sich unsere Gesellschaft aktuell ausgesetzt sieht“, so Gerold Theobalt und Prof. Noam Meiri, die beiden für die Präsentation verantwortlichen Mentoren aus dem Studiengang Schauspiel.

Vorstellungsbeginn ist an allen vier Abenden um 18 Uhr.
Aufgrund der Vielzahl der Stücke wird am Mittwoch, 08. Februar, der erste Teil des umfangreichen Bühnenprogramms gezeigt. Am Donnerstag, 09. Februar und am Freitag, 10. Februar folgt der zweite Teil, zum Abschluss am Samstag, 11. Februar dann noch einmal der erste Teil. In den Pausen kann man bei Snacks und Getränken mit den Studierenden und ihren DozentInnen ins Gespräch kommen. Der Eintritt zu allen Vorstellungen ist frei. Die sogenannte Artist Diploma-Eigenarbeit markiert für die Schauspielstudierenden das Ende ihres vierjährigen Intensivstudiums. Zugleich ist sie als letzte Teilprüfung des umfangreichen Examens noch einmal ein wahrer Kraftakt für die AbsolventInnen. Hier gilt es, ein komplettes Stück eigenständig zu schreiben, ein Team aus Mitspielenden und anderen künstlerischen PartnerInnen zu gründen, die Produktion bis in alle künstlerischen und technischen Details zu planen und schließlich eine komplexe Inszenierung auf die Bühne zu bringen, in der man in der Regel auch noch selbst die Hauptrolle spielt.

Das breite Spektrum der Themen und Formate des diesjährigen Programms zeugt von der Vielseitigkeit der AbsolventInnen, die unter der Leitung von Prof. Noam Meiri und Gerold Theobalt, Studiengang Schauspiel, sowie Prof. Thomas Stich, Leiter der Studiengangs Physical Theatre, ihre Abschlussarbeiten selbstständig entwickelt haben. Hier ein Überblick: Das umfangreiche Theaterprogramm startet mit dem Stück „Unendlich Luft“ aus der Feder von Nils Kretschmer und David Vormweg. Auf ihrer „Odysse durch das Leben“ ziehen die beiden Theatermacher alle Register, wenn es darum geht, das Publikum mit zum Teil selbst geschriebenen Songs, akrobatischen Einlagen, einem veritablen Shakespeare-Monolog oder aberwitzigen Geschichten aus dem Kölner „Miljöh“ zu unterhalten. Dabei loten sie in beeindruckenden Bildern die fließende Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit aus. „Was macht den wahren Genuss aus? Und warum ist er so selten ohne Reue zu haben?“
Diesen Fragen gehen Paulina Alpen und Mats Süthoff in ihrem Stück „Die Genießer“ auf den Grund. In einem ebenso humorvollen wie mitunter pathetischen Szenenreigen, der auch das Publikum ins Spiel aktiv miteinbezieht, halten die brillanten AkteurInnen uns Zuschauern – Naschkatzen, Völler, Erotomanen, Schlemmer, Hedonisten, Gewohnheitsraucher und -trinker, die wir nun einmal sind – ebenso lustvoll wie unerbittlich den Spiegel vor. Die ästhetische Faszination dieser Theaterarbeit liegt nicht zuletzt in der gelungenen Verbindung von
Schauspiel und Physical Theatre.

In der Physik bezeichnet die „Armstrong-Grenze“ jenen Siedepunkt, an dem menschliches Blut ohne Maßnahmen von Druckausgleich zu kochen beginnt. „Die Amstrong-Grenze“ heißt auch das Stück von Thomas Kaschel, in dem er untersucht, was einen Durchschnittsbürger quasi über Nacht zum hasserfüllten Wutbürger werden lässt. Dabei verwendet der Autor nicht das häufig gut gemeinte, aber untheatralische Format der Sozialreportage. Vielmehr entwickelt er ein stilisiertes, von Franz Kafka und Buster Keaton gleichermaßen inspiriertes, artistisches Spiel. Die berührenden poetischen Texte steuerte Josefine Berkholz bei, Studierende am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Tristan Berger, Folkwang Student der Elektronischen Komposition, begleitet die Aufführung mit einem dichten Gewebe aus Geräuschen, elektronischen Klängen und Bildprojektionen.

Von inhaltlicher wie ästhetischer Brisanz ist auch das Solostück, das Michael Wischniowski erarbeitet hat. In „Sugar Pygmalion World“ geht es um das große Thema der Realitätsverweigerung. Aus einem tiefen Unmut am allgemeinen Zustand der Welt, einer pessimistischen Diagnose, die sich der Protagonist von Geistesgrößen wie Friedrich Nietzsche, Bert Brecht oder Heiner Müller wortmächtig beglaubigen lässt, flieht er in das schillernd-bunte Paradies des Cyberspace. In einem fulminanten selbstverfassten Monolog stimmt er das Publikum auf seine Weltflucht ein. Die ZuschauerInnen spüren den negativen Sog dieser apokalyptischen Zeitdiagnose und erfahren hernach die Verführungskraft künstlicher Welten. Dieser Beitrag besticht durch das virtuose Zusammenspiel von Theaterkunst, Rezitation und digitaler Technik.

Ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe brachte Amelie Barth auf die Idee, gemeinsam mit anderen jungen Menschen, die den Kriegsschauplätzen in Syrien und dem Irak entkommen konnten, ein Theaterprojekt zu entwickeln, das die Sehnsucht, den Verlust und die Neu(er)findung von Heimat zum Thema hat: al Heimat - ein syrisch-deutsch-kurdischer Tanz um das Leben von Belaliz, Sandy, Nezar und von Amelie. Heimat – das ist jener Ort, von dem bekanntlich Ernst Bloch gesagt hat, dass ihn jeder Mensch aus seiner Kindheit kenne, aber noch niemand wirklich dort gewesen sei. Zu ihren künstlerischen Intentionen sagt die Theatermacherin: „Es war mir ganz besonders wichtig, keine asylpolitische Aufklärung zu betreiben oder den großen Zeigefinger zu erheben, sondern mit unseren Geschichten, mit viel Phantasie und Freiheit zu arbeiten. Hingegen war es mein Ziel, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, vielmehr als nach dem, was uns auf den ersten Blick aneinander fremd scheinen mag.“

Manche Stücke erfordern eine gründliche Recherche, so auch das Solostück „Päuschen“. Um seine Figur, den einsam vor sich hin schimpfenden, von zunehmender Demenz geplagten und irgendwie der Welt abhanden gekommenen arbeitslosen Hausmeister Jürgen Schuchadt erschaffen zu können, hat sich Lorenz Nolting auf eine Reise begeben – hin zu den Montagsdemos in Dresden, wo er sich die Hassreden rechter Demagogen und die dumpfen Sprechchöre ihrer MitläuferInnen aufmerksam angehört hat. Aber er horchte auch in die eigene Familiengeschichte hinein, in der es einen Parkinson-Patienten gegeben hatte, dessen Leidensweg in der Erinnerung seiner Angehörigen tiefe Spuren hinterlassen hat. Vor dem Hintergrund dieser Eindrücke entwickelte der engagierte Theatermacher das Solostück, in dem er mithilfe seines ausgefeilten Maskenspiels und sprachlicher Genauigkeit hinter dem Klischee
den Menschen Jürgen Schuchadt lebendig werden lässt.

„Dass ich erkenne was die Welt/im Innersten zusammenhält“ – Diese Sehnsucht des Doktor Faust ist das unausgesprochene Leitmotiv eines Stückes, das den etwas ungewöhnlichen Titel „Realität ist halt auch nur was du denkst das du siehst“ trägt. Clara Gohmert, Absolventin des Studiengangs Physical Theatre an der Folkwang Universität der Künste, präsentiert zusammen mit ihrer Kommilitonin Anja Kunzmann, Absolventin des Studiengangs Schauspiel, ein philosophisch-poetisches Kabarett, das sich nicht scheut, die letzten Fragen der Menschheit zu thematisieren. In bezwingenden Bildern, in denen Schlafsäcke zu Gesprächspartnern werden,
ein unheimlicher Maskenmann ein Tennismatch wie von Geisterhand dirigiert und ein Klohäuschen als videovernetzte Denkerklause herhalten muss, spielen die beiden Theatermacherinnen lustvoll mit den großen geistesakrobatischen Weltdeutungen, um sie dann gleich wieder wie Seifenblasen zerplatzen zu lassen. Unterstützt werden sie dabei in vielfältiger Weise von Michael Zier, Vasko Damjanov, Ivo Schneider und Charles Deichmann – allesamt Mitglieder des Armada Theaters, einer Gruppe von Folkwang Studierenden aus unterschiedlichen Fachbereichen.
27. Januar 2017 / Gerold Theobalt Probenfoto_Unendlich_Luft_Nils Kretschmer_David Vormweg_Copyright_Folkwang_Universität_der_Künste

 



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