Donnerstag, 05 Dezember 2013 01:00

Ein Campus für eine Stadt

Die Kulturinitiative C60 entwickelt Ideen für Innenstadt-Campus der Bochumer Hochschulen im Viktoriaquartier

Es ist beschlossene Sache: Der Autobauer Opel schließt Ende 2014 seine Bochumer Werkstore. Rund 3.000 Mitarbeiter verlieren ihre Stellen. Der Opel-Abzug ist ein weiterer Schlag für Bochum und das gesamte Ruhrgebiet im Wandel der Strukturen. Wie können jetzt Perspektiven geschaffen und Strategien entwickelt werden? „Wissen“, sagen die Macher der Initiative C60, „kann ein entscheidender Hebel sein und zum Motor für die Stadt der Zukunft avancieren – auch und insbesondere für Bochum.“

Dr. Sven Sappelt, Leiter des C60/ Collaboratorium für kulturelle Praxis, und Dr. Lars Tata, Koordinator des Zusammenschluss’ UniverCity Bochum stellen sich diesen Fragen: Vor welchen Herausforderungen steht Bochum und das Ruhrgebiet? Wie können die Städte ihre Zukunft gestalten? Können Hochschulen eine Antwort auf den strukturellen Wandel geben?

Ein Campus als Motor für eine wissensbasierte Stadtentwicklung
„Bochum könnte bundesweit so etwas wie ein Labor für eine Entwicklung werden, die gegenwärtig auch von anderen Städten reflektiert wird – hier aber beste Voraussetzungen vorfindet: Mit über 50.000 Studierenden und sieben Hochschulen verfügt die Stadt Bochum über ein immenses Potenzial, das künftig noch sehr viel stärker als bisher für die Stadtentwicklung genutzt werden sollte“, sagt Dr. Lars Tata, der den Verbund UniverCity Bochum für die Stadt Bochum koordiniert, an dem – neben weiteren Partnern – die sieben Bochumer Hochschulen beteiligt sind.

Diese Einschätzung teilt er mit Dr. Sven Sappelt. Der promovierte Philosoph und Kurator hat 2011 damit begonnen, im Namen der Ruhr-Universität Bochum einen neuen Projektraum in der Innenstadt aufzubauen: das C60. 2012 ist daraus die Idee eines neuen Campus hervorgegangen, die seither in Kooperation mit zahlreichen Partnern, wie zum Beispiel Professor Xaver Egger vom Fachbereich Architektur der Hochschule Bochum, der Stadt Bochum und weiteren Partnern der UniverCity Bochum, kontinuierlich weiterverfolgt wird.

Lebendiger Ort für Bildung, Forschung, Kreativität und Innovation
Im Kern geht es um einen lebendigen Ort für Bildung, Forschung, Kreativität und Innovation. So sollen nicht einfach einzelne Institute in die Stadt verlagert werden, sondern Räume geschaffen werden, die offen für verschiedene Nutzungen sind und von mehreren Hochschulen gemeinsam bespielt werden können. Eine besondere Rolle spielt dabei, dass das Areal für die Bevölkerung geöffnet wird und beispielsweise Vermittlungs- und Weiterbildungsangebote geschaffen werden.
Und so wie das C60 als Collaboratorium für ein Labor steht, als ein Ort des Forschens, Erfindens und Erkundens, nicht zurückgezogen, sondern kollaborativ, sollen mit dem Campus Viktoria neue Formen der Zusammenarbeit erkundet und erforscht werden – interdisziplinär, zwischen den Hochschulen, der Stadt, den Kultur- und Kreativakteuren. Ein solches Areal könne – so die Macher – durchaus ein kulturelles Innovationszentrum werden, ein identitätstiftender Ort, in dem sich die Zukunft des Ruhrgebiets auch architektonisch kristallisiert.

Campus-Idee auf dem Innenstadt-Areal am Citytor Süd
Die Campus-Idee könnte baulich auf dem Innenstadt-Areal am Citytor Süd umgesetzt werden – zwischen Viktoria- und Bessemerstraße, neben dem ehemaligen Katholikentagsbahnhof. Die Fläche befindet sich in städtischem Besitz und liegt momentan brach. Architekturstudenten der Hochschule Bochum entwickelten im Wintersemester 2012/13 bereits erste Szenarien, wie das Areal erschlossen werden könnte, und die sie im Mai 2013 in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentierten. So könnten beispielsweise ein Auditorium, eine Ausstellungshalle, ein Tagungszentrum, ein Gründungszentrum oder ein Gästehaus für Seminare, Vorlesungen und Freizeit entstehen. Einen vertiefenden Einblick gibt die Informationsbroschüre im Internet.

Austausch zwischen Wissenschaft und Stadtgesellschaft
Im Laufe des Sommers 2013 wurden verschiedene Aspekte des Konzepts mit Experten und politischen Entscheidungsträgern diskutiert. So entstanden Kooperationen: zum Beispiel mit dem Netzwerk Stadt als Campus, Professor Alexandra den Heijer von der TU Delft oder Professor Rudolf Scheuvens von der TU Wien. Mit einer Bebauung durch einzelne freistehende Gebäude könnte das Areal so gestaltet werden, dass eine Durchlässigkeit entsteht und die Öffnung gegenüber der Innenstadt transportiert wird. Ein Ort, an dem man sich begegnet und der einen Austausch zwischen Wissenschaft und Stadtgesellschaft ermöglicht.

Ort mit Erholungsqualität
In einer Symbiose aus Architektur und Natur könnte auch ein „Ort mit Erholungsqualität“ geschaffen werden, so Dr. Sven Sappelt. Das Gebäude-Ensemble sollte einladend und attraktiv auf alle Bürger wirken – mit Grünflächen und Gärten, mit Café und Restaurant. „Ein Ort, den ich auch mit meinen Kindern besuchen und zwischen den Bäumen umher schlendern kann. Denn letztlich ist es auch die Attraktivität und Lebensqualität einer Stadt, die kluge und engagierte Menschen in eine bestimmte Region zieht.“

Wissen und Bildung entscheiden über die Zukunftsfähigkeit einer Stadt
Bei allen Aktivitäten soll die Bevölkerung mit einbezogen werden. „Die Herausforderung wird sein“, so Dr. Lars Tata, „die Angebote, die auf dem Areal und darüber hinaus geschaffen werden, möglichst niedrigschwellig zu machen. Eben so, dass nicht nur das akademische Milieu angesprochen wird, sondern auch Menschen, die in diesem Milieu nicht so sehr zuhause sind.“ In einem nächsten Schritt soll das Campus-Konzept auf seine Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden. Noch ist der Campus Viktoria eine Idee. Die positiven Rückmeldungen aus der Region und von qualifizierten Beobachtern aus dem In- und Ausland stimmen die Macher aber optimistisch: Dr. Lars Tata: „Wir glauben an die Campus-Idee, die aktivierende Rolle des C60 und daran, dass es gelingt, den Motor Wissen für die Stadtentwicklung stärker ans Laufen zu kriegen.“

Mehr Informationen über C60 Collaboratorium

Letzte Änderung am Dienstag, 02 April 2019 16:21
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